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Gemeinsam für den Einzelhandel: Retten Business Improvement Districts unsere Innenstädte?

Die Lebendigkeit der Innenstädte ist bedroht. Zwar erholt sich der stationäre Einzelhandel langsam von den immensen Umsatzeinbußen der vergangenen Monate – aber eben nur langsam. „Zahnlücken“ nennt der Zentrale Immobilienausschuss (ZIA) die zunehmenden Leerstände. Die Krise der Branche ist nicht neu. Allerdings sind die „Lückenfüller“ der letzten Jahre – Bars, Restaurant, Cafés – jetzt auch besonders betroffen. Das ganze Ausmaß der Zahnlücken werden wir wohl erst im Laufe des kommenden Jahres spüren.

 

Kernidee der BIDs: Private Investitionen im öffentlichen Raum

Auf der Suche nach Lösungen kommt man kaum daran vorbei, alle Akteure der Stadtgesellschaft einzubinden. Bereits lange vor der jetzigen Krise haben sich Business Improvement Districs (BID) als adäquates Mittel zur Aufwertung einzelner Stadtbereiche erwiesen. Bei BIDs realisieren Grundeigentümer und Gewerbetreibende eines definierten Bereichs gemeinsam alle notwendigen Maßnahmen zur langfristigen Aufwertung ihres Standorts. Dies beinhaltet ausdrücklich den öffentlichen Raum und erfolgt in Eigenregie. Die notwendigen Investitionsmittel werden in Form einer selbst auferlegten, öffentlichen Abgabe an die Stadt oder Kommune gezahlt. Eingezahlte Beträge werden treuhänderisch durch einen Aufgabenträger verwaltet. Oder einfach ausgedrückt: Bei BIDs zahlen die Grundeigentümer für neue Bürgersteige selbst.

 

BIDs können zum positiven Einkaufserlebnis beitragen

Business Improvement Districts allein bedeuten gewiss noch nicht die Rettung der Innenstädte. Aber sie können das Einkaufserlebnis aufwerten. Der stationäre Handel wird es nicht schaffen, die an das Online-Geschäft verlorenen Marktanteile zurückzuerobern. Mit einem guten Shopping-Erlebnis könnte er aber die Verluste abbremsen. Die Aufenthaltsqualität ist maßgebender Faktor dabei. Hoch ist diese, wenn großzügige und moderne Fußgängerwege, eine ansprechende Beleuchtung oder auch attraktive Bepflanzungen der Straßenzüge vorhanden sind. Intelligentes, gemeinsames Marketing der Gewerbetreibenden unterstützt die Maßnahmen. Daran sollten alle Gewerbetreibenden ein großes Interesse haben. Ihnen nützen die modernsten und ansprechendsten Ladenflächen nichts ohne ein ebenfalls durchdachtes Konzept für den Weg dorthin.

 

Private Initiativen bieten gerade kleineren Standorten Chancen

BIDs sind ein internationales Erfolgsmodell. Ihren Ursprung haben sie in Toronto – hier wurde 1970 die weltweit erste Initiative gegründet. Das dortige Bloor West Village ist nach wie vor ein BID und zählt zu den erfolgreichsten Quartieren der kanadischen Metropole. Die Madison Avenue in New York ist ebenso ein BID wie Camden Town in London. In Deutschland ist Hamburg Vorreiter der Privatinitiativen. Hier zählen die hochpreisige Shopping-Meile „Neuer Wall“, aber auch dezentrale Stadtteilquartiere wie der „Tibarg“ im Stadtteil Niendorf zu den Erfolgsgeschichten.

Doch BIDs beschränken sich nicht auf Metropolen – im Gegenteil. Gerade kleine und mittelgroße Städte können sich mit attraktiven Einkaufsstraßen abgrenzen und sich als Shoppingziele etablieren. Dabei lohnt ein Blick nach Hessen. Im BID Gießener Theaterpark ist der Tenor von Gewerbetreibenden wie von Passanten durchweg positiv. In Offenbach hat sich gleich die gesamte Innenstadt zum BID zusammengetan, um sich gegen die große Konkurrenz Frankfurt zu behaupten.

 

Natürlich haben BIDs auch Schattenseiten. Das Konzept ist nicht frei von zum Teil berechtigter Kritik. Je mehr private Initiativen entstehen, desto mehr Kontrollverlust befürchten einige für die Öffentliche Hand. Auch eine soziale Spaltung der Städte wird als Argument aufgeführt – schließlich entstehen BIDs nur dort, wo sich die Grundeigentümer das auch leisten können. Fest steht jedoch, dass in den meisten BIDs gerne eingekauft wird. Und was wäre für den Einzelhandel momentan wichtiger als zahlreiche Kunden?

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