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Logistikimmobilien: Krisengewinner und -verlierer zugleich

Die Corona-Pandemie hat vieles verändert, unter anderem unser Kaufverhalten. Shopping in der Innenstadt mit Maske und Abstandsregeln macht wenig Spaß. Dann doch lieber per Mausklick. Jeder zweite Konsument gab Anfang Juli in einer Umfrage an, künftig verstärkt im Internet einzukaufen. Das unterstützt den Aufschwung des Onlinehandels, der in den vergangenen Jahren um durchschnittlich mehr als 5 Prozent jährlich auf zuletzt rund 3,7 Milliarden Pakete anstieg. Der E-Commerce-Umsatz im Juni dieses Jahres lag mehr als 30 Prozent über dem Vorjahresmonat. Folglich steigt der ohnehin zunehmende Flächenbedarf der Onlinehändler in beschleunigtem Tempo. Neue Lager- und Umschlagszentren sollen die Pakete noch schneller und effizienter zum Kunden bringen. Entsprechend einig waren sich viele Experten zu Beginn der Corona-Pandemie: der Markt für Logistikflächen wird als einer der Gewinner aus der Krise hervorgehen.

Logistikbranche in Deutschland ist nach wie vor industriell geprägt

Doch haben Amazon und Co. wirklich das Zeug, die Assetklasse Logistik unbeschadet durch die Krise zu bringen? Dominiert wird der Markt nach wie vor vom produzierenden Gewerbe – allen voran die mit Problemen kämpfende Automobilindustrie. Auch andere klassische Branchen leiden unter der Rezession und benötigen derzeit keine neuen Logistikflächen. Die sinkende Nachfrage schlägt sich in den Zahlen nieder. Im ersten Halbjahr 2020 wurden in Deutschland knapp 2,6 Millionen Quadratmeter Logistikfläche kontrahiert. Im Vorjahreszeitraum waren es noch rund 3,1 Millionen. Dies bedeutet einen Rückgang um 18 Prozent. Das produzierende Gewerbe kam nur noch auf 600.000 Quadratmeter Flächenumsatz, das ist weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts.

Nachfrage wird sich konjunkturabhängig erholen

Das Logistikgeschäft ist abhängig vom Konjunkturzyklus. Zieht die Wirtschaft wieder an, werden sich zahlreiche Industriezweige erholen und damit auch die Vermietungsmärkte für Logistikflächen wieder an Dynamik gewinnen. Eine umfassende Erholung auf der Nachfrageseite dürfte gleichwohl noch einige Quartale auf sich warten lassen. Mittelfristig werden auch Veränderungen in Produktions- und Lieferprozessen einen positiven Einfluss auf die Flächennachfrage haben. Die Bedeutung der nationalen Beschaffungsmärkte wird nach den Corona-Erfahrungen zunehmen. Viele Unternehmen stocken ihre Bestände auf, werden demnach mehr Lagerflächen benötigen. Ob sich der Trend der Regionalisierung langfristig in der Industrie durchsetzen wird, bleibt indes abzuwarten.

Logistik kommt besser durch die Krise als andere Segmente

Das Wachstum des Onlinehandels ist gut für die Logistikbranche. Es sorgt für eine stabile Nachfrage nach Flächen und anhaltend hohes Interesse seitens der Investoren. Damit kommt das Segment spürbar besser aus der Corona-Pandemie als der Einzelhandel oder auch Hotels. Die Ausfälle auf Seiten der Industrie kann der E-Commerce allerdings nicht gänzlich kompensieren. Der Logistikmarkt als Krisengewinner gilt somit nur für einen Teil der Geschichte – der andere Teil hofft auf eine rasche Erholung der Konjunktur.

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